Verhütung ist ein komplexes und oft verwirrendes Thema. Obwohl es viele verschiedene Methoden gibt, ist die Auswahl gar nicht so leicht. Sobald eine Person aus welchem Grund auch immer entscheidet, keine hormonelle Verhütung zu verwenden, bleibt gar nicht mehr so viel Auswahl übrig.
Hier bekommen Sie einen Überblick über die gängigen hormonfreien Verhütungsmethoden inklusive Buchempfehlung für alle, die es genauer wissen wollen!

Die Angaben zur Sicherheit der einzelnen Methoden bezieht sich auf den Methoden-Pearl Index, der sich rein auf die Sicherheit der Methode bezieht, und den Gebrauchs-Pearl Index, also unter Berücksichtigung möglicher Anwendungsfehler.

Dieser Blogbeitrag kann keine ärztliche Beratung ersetzen! Sollten Sie weitere Fragen zum Thema Verhütung haben, können wir diese gerne im Rahmen einer Familienplanungsberatung besprechen.

Kondom/Femidom

Das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel, das Menschen mit Penis anwenden können. Schade, ist aber so – noch.
Das Femidom, die in Europa wenig bekannte Schwester* des Kondoms, das Kondom und das Lecktuck sind die einzigen Verhütungsmethoden, die vor Geschlechtskrankheiten schützen.

Das Femidom besteht aus einem dünnen, reißfesten Kunststoff. Kondome bestehen aus Latex, aber auch latexfreie Varianten für Allergiker_innen sind erhältlich.

Der Methoden-Pearl Index beim Kondom liegt bei 2, der Anwendungs-Pearl Index bei 18. Beim Femidom ist der Wert bei 5 bzw. 21. Die entstandenen Schwangerschaften trotz Verwendung des Kondoms oder Femidoms sind fast ausschließlich auf Anwendungsfehler zurückzuführen. Wenn man beispielsweise:

  • nicht auf das Ablaufdatum achtet,
  • ein Kondom ohne Luftpolsterung verwendet,
  • das Kondom/Femidom nicht vollkommen abgerollt wird,
  • zwei Kondome über einander getragen werden,
  • Kondome/Femidome ohne Prüfnummer aus einem Scherzartikelladen verwendet werden,
  • zusätzlich Gleitgel auf Ölbasis benützt wird oder
  • das Kondom/Femidom mit Händen, auf denen bereits Sperma war, abgerollt wurde.

Das ist auch der klare Nachteil von Kondomen und Femidomen: Man kann viel falsch machen. Mit etwas Übung minimiert man solche Fehler allerdings!

Der große Vorteil von Kondomen ist – mal abgesehen vom bereits erwähnten Schutz vor Geschlechtskrankheiten –, dass sie einfach und rezeptfrei erhältlich sind. Femidome sind in Europa nicht sehr weit verbreitet. Kondome gibt es aber echt überall und in verschiedenen Varianten und Größen. Menschen mit Penis können sich durchtesten und herausfinden, welches für sie bequem ist.
Außerdem muss man sich nur in der Situation selbst mit Verhütung befassen.

Kupferspirale/-kette/-ball, Goldspirale/-kette

Die Kupfer- und Goldspirale, auch als Kette und Ball erhältlich, wird vom*von der Frauenärzt*in in den Uterus eingesetzt. Der Pearl Index liegt bei 0,6 (Methode) bzw. 0,8 (Anwendung).

Gold oder Kupfer im Uterus sorgen dafür, dass sich Spermien dort nicht wohl fühlen und nicht mehr gut schwimmen können. Sollte es dennoch zur Befruchtung kommen, wird das Einnisten der befruchteten Eizelle erschwert.
Es kommt weiterhin zum Eisprung und es gibt somit einen natürlichen Zyklus. Der Uterus versucht allerdings bei einigen Menschen mit Uterus, das ungewohnte Metall loszuwerden, wodurch die Menstruation länger, intensiver und schmerzhafter sein kann. Das ist allerdings von Person zu Person sehr unterschiedlich. Außerdem braucht der Körper häufig ein paar Zyklen, um wieder einen Rhythmus zu bekommen.

Dabei sind wir schon bei einem Nachteil der Methode angelangt: Sie ist nicht für Menschen geeignet, deren Menstruation von Natur aus sehr stark und schmerzhaft ist. Das Risiko, dass es nachher noch schlimmer ist, ist hoch.

Der große Vorteil ist, dass die Kupferpräparate für bis zu fünf Jahre schützen, die Goldvarianten bis zu zehn Jahre. Man muss nicht ständig an die Anwendung denken und es kann zu keinen Anwendungsfehlern kommen. Einmal drin, kann man das Thema Verhütung als erledigt ansehen – sofern nicht die Gefahr von Geschlechtskrankheiten besteht. Nach der Entnahme ist die Fruchtbarkeit wieder sofort gegeben.

Diese Varianten erfordern zwar eine hohe Einmalinvestition, sind allerdings auf die Jahre hochgerechnet vergleichbar mit der Pille.

Diaphragma

Der Pearl Index des Diaphragma liegt bei 6 (Methode) bzw. 12 (Anwendung). Beim Diaphragma kommt es oft zu Anwendungsfehlern, weshalb es nicht als sehr sicher gilt.

Das Diaphragma schützt davor, dass Samenzellen in den Uterus gelangen können, muss aber immer mit einer samenabtötenden Creme kombiniert werden. Es muss bis zu zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt und darf erst nach sechs Stunden wieder entfernt werden.

Der große Vorteil am Diaphragma ist, dass es anlassbezogen verwendet werden kann, der große Nachteil ist, dass jener Anlass geplant werden muss – natürlich ist auch ein besonders langes „Vorspiel“ eine Option. Wobei das Wort „Vorspiel“ sehr irreführend ist, weil Sexualität auch ohne Geschlechtsverkehr auskommt und Dinge, die während des „Vorspiels“ gemacht werden könnten, als eigenständige sexuelle Handlung zählen unabhängig von möglichem Geschlechtsverkehr.

Weitere nicht-hormonelle Verhütungsmethoden sind Natürliche Familienplanung, zu der es noch einen eigenen Post gibt, sowie Sterilisation und Verhütungszäpfchen, auf die ich hier nicht näher eingehe.

Literaturtipp

Einen sehr guten Überblick über das Thema hormonfreie Verhütung gibt Struck, Dorothee: Natürlich verhüten. Sicher, pillenfrei, gefühlsecht.* Obwohl ich das Cover nicht sonderlich ansprechend finde, weil es sehr klischeehaft ist, finde ich das Buch selbst gut gelungen.

Das Vorwort gibt einen guten Überblick über die Beweggründe von Menschen mit Uterus, wieso sie keine hormoneller Verhütung verwenden wollen, ohne dabei die Pille zu verteufeln, wie es sonst oft passiert. Außerdem bietet das ganze Buch Praxisbeispiele der Gynäkologin und Autorin des Buches, was sehr spannend ist und das Lesen der vielen, aber gut aufbereiteten Informationen auflockert.

Zuerst einmal hilft Dorothee Struck dabei, sich im Dschungel der Verhütungsmittel zurecht zu finden und stellt wichtige Fragen zur Auswahl der passenden Methode.

Schade finde ich, dass das Buch binär ist und nicht bespricht, dass nicht nur cis-Frauen einen Zyklus haben können – wobei sie einmal von Person mit Penis schreibt und von Sex mit Genitalkontakt, was durchaus nicht-binär betrachtet werden kann und auch die oft überschätzte Bedeutung von Geschlechtsverkehr relativiert. Außerdem betont sie die Wichtigkeit, die Entscheidung über die Verhütungsmethode mit dem*der Partner*in zu besprechen.

Das Buch bietet allgemein einen guten Überblick über den Zyklus, die Anatomie, die verschiedenen Hormone und die Wirkung der einzelnen Verhütungsmethoden. Dabei werden sehr ansprechende und verständliche Bilder und Grafiken verwendet, auch wenn die Bilder nicht divers sind, leider. Nur die Grafik des Beckens sollte überarbeitet werden, weil die Klitoris hier sehr klein dargestellt wird.

Besonders gut gefällt mir, dass das Buch sich mit dem Thema Selbstuntersuchung befasst und betont, dass DAVOR und nicht nur danach die Hände gewaschen werden sollen. Das klingt banal, oftmals wird aber schon Kindern beigebracht, dass das Genital „schmutzig“ ist und sie sich danach dringend die Hände waschen sollen – dabei ist es wichtig, das Genital gut zu behandeln und somit vorher Hände zu waschen.

Natürlich verhüten. ist ein sehr gutes Buch für all jene, die sich mit dem Thema hormonfreie Verhütung genauer befassen wollen, aber auch einen Überblick über Anatomie und Co. suchen.

Bei Verständnisfragen freue ich mich, von Ihnen zu hören!

 

*Das ist ein Affiliate Link. Durch das Klicken werden Sie direkt zum Onlineshop von Thalia weitergeleitet und bei Kauf des Buches erhalte ich eine kleine Vergütung. Für Sie ändert sich aber nichts! Ich werbe ausschließlich für Produkte, die ich selbst getestet habe und von denen ich überzeugt bin.

2 Replies to “Das 1×1 der Verhütung: Hormonfreie Verhütung”

  1. Vielen Dank für diesen informativen Beitrag! Ich vermute der Anwendungsfehler Gleitgel bezieht sich auf Gleitgel unter dem Kondom? Denn über dem Kondom erhöht ein geeignetes Gleitgel eher die Sicherheit, da Trockenheit + Reibung durchaus zum Reißen des Kondoms führen. Deshalb fände ich die Differenzierung wichtig, da es sonst vorm Benutzen von Gleitgel abschreckt.
    Ist das beim femidom ähnlich?

    1. Vielen Dank für die Anmerkung! Hier ist gemeint, dass immer wieder ölbasierte Gleitgele verwendet werden, die das Material angreifen. Ich werde es im Beitrag ergänzen, vielen Dank!

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